Werke deutschsprachiger Künstler

Ein virtueller kunsthistorischer Spaziergang

mit einführenden Texten von Katherine Lawson und Laura Tanguay-Bérubé

und Links zu Online-Versionen der Werke

erstellt im Rahmen des Kurses ALG3921, Universität Ottawa, Wintersemester 2014, Kursleitung: Jörg Esleben

Der Spaziergang führt zu den Werken in chronologischer Anordnung nach Entstehungsjahr oder -zeitraum.
 
Zuletzt erneuert am: 25. April 2014

Albrecht Dürer, Melencolia I, 1514 Hans Holbein der Jüngere, Anna von Kleve, 1539
Caspar David Friedrich, Klosterfriedhof im Schnee, 1819
Max Liebermann, Die Gänserupferinnen, 1871/72
Gustav Klimt, Die Hoffnung I, 1903 Oskar Kokoschka, Die Windsbraut, 1913 Egon Schiele, Tod und Mädchen, 1915 Hannah Höch, Schnitt mit dem Küchenmesser
durch die letzte Weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands
, 1919-20
Paul Klee, Senecio, 1922 Otto Dix, Der Krieg, 1929-32 Max Ernst, Naissance d'une Galaxie, 1969 Joseph Beuys, I like America and America likes me, 1974
Anselm Kiefer, Margarete, 1981 Friedensreich Hundertwasser, Hundertwasserhaus, Wien, gebaut 1983-1985
Gerhard Richter, Erschossener I, 1988

Andreas Gursky, 99 Cent, 1999
Candida Höfer, Chateau de Versailles III, 2007 Neo Rauch, Fluchtversuch, 2008 Xenia Hausner, Das blinde Geschehen, 2010 Manfred Bockelmann, Elisabeth Emmler und ihre Kinder, 2010-2013


Albrecht Dürer (1471-1528)

Melencolia I, 1514


Holzschnitt, 24 cm x 18.5 cm

Bild in hoher Auflösung: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/14/Melencolia_I_(Durero).jpg

Albrecht Dürer, der von 1471 bis 1528 lebte, bleibt einer der berühmtesten Künstler der deutschen Renaissance. Während des späten 15. bis frühen 16. Jahrhunderts stellte Dürer viele Gemälde, Kupferstiche, Radierungen und Altarbilder her. Es gibt viele verschiedene Themen in Dürers Werk, mit einer Mischung aus religiösen und weltlichen Themen. Er wurde auch für seine Entwicklungen in der Mathematik und Theorie bekannt, sowie sein Studium der Perspektive und der idealen menschlichen Proportionen.

Dürer wurde in Nürnberg geboren, und dort blieb er fast sein ganzes Leben, aber er reiste auch viel. Seine erste Italien-Reise war 1494, und er wurde von seinen häufigen Reisen nach Italien beeinflusst. Seine Erfahrungen in Italien führten zu der grundlegenden Bedeutung der klassischen Motive, Mythologie und Ideen des Humanismus in seinen Werken. Dürer verbrachte auch Zeit in den Niederlanden, weil der Kaiser Maximilian I. ein Mäzen seiner Werke war. Dürer hatte eine erfolgreiche Karriere und war ein Meister der technischen Fähigkeiten. Sein Talent wurde bereits in jungen Jahren gefördert. Sein Vater war ein Goldschmied, aber als er ein Junge war, lernte und arbeitete er bei dem Maler Wolgemut und arbeitete mit Holzschnittillustrationen. Diese Illustrationen waren sehr wichtig nach Gutenbergs Erfindung des modernen Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern und der Druckerpresse von 1450.

Melencolia I ist ein allegorischer Holzschnitt und einer der Meisterstiche Dürers mit komplexen Symbolen und Zeichen. Deshalb gibt es viele Auslegungen des Bildes. Eine Frau mit Flügeln sitzt auf einer Stufe, und diese Personifikation der Melancholie trägt einen Blätterkranz. Ihr Kopf liegt in ihrer Hand und sie scheint traurig, aber starrt in die Ferne, mit Fokus. In ihrem Schoß und auf dem Boden gibt es einen Zirkel, ein verschlossenes Buch, einen Hammer, eine Zange und viele Gegenstände des Künstlers und Handwerkers. Neben ihr sitzt ein geflügeltes Kind oder ein Junge (ein Putto) auf einem Mühlstein. Ein Hund ist ein typisches Symbol der Treue, aber hier ist das Tier krank und abgemagert. Deshalb ist der Hund auch ein Symbol der Melancholie, sowie die leeren Schuppen. Es gibt viele verschiedene Interpretationen der anderen Objekte, wie der Leiter. Ist die Leiter wie die Leiter aus Jacobs Traum? Die Tugendleiter? Es gibt auch viele Spekulationen über die Fledermaus, das magische Zahlenquadrat, das Stundenglas, die Glocke, die Landschaft. Zum Beispiel ist die Summe jeder Zeile (horizontal, vertikal, diagonal) in dem magischen Zahlenquadrat 34. Das ist ein Symbol der mathematischen Intelligenz und in der unteren Reihe kann man das Datum des Holzschnitts sehen. 1514 ist auch das Todesjahr von Dürers Mutter.

Während der Renaissance dachten Philosophen, dass Melancholie und kreatives Genie verwandt waren, oder dass die Melancholie immer zu Künstlern gehörte, weil Phantasie im Künstler dominant ist, im Gegensatz zur Vernunft oder dem Geist bei Gelehrten und Theologen. Es ist möglich, dass Dürer über sein eigenes Temperament als Künstler und die Darstellung der melancholischen oder gequälten Künstler reflektiert.


Bibliographie

Hütt, Wolfgang. Albrecht Dürer, 1471 bis 1528: das gesamte graphische Werk. München: Rogner & Bernhard, 1970.

Kauffmann, Hans. Albrecht Dürer [Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums]. München: Prestel-Verlag, 1971.


Katherine Lawson

Hans Holbein der Jüngere (1497-1543)

Anna von Kleve, 1539

Wasserfarben auf Pergament, 65 cm x 48 cm, Musée du Louvre, Paris

Bild in hoher Auflösung: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/54/AnneCleves.jpg

Bild im Kontext des Standortes: http://cartelfr.louvre.fr/cartelfr/visite?srv=car_not_frame&idNotice=26247


Hans Holbein der Jüngere wurde im Jahre 1497 als der Sohn von Hans Holbein dem Älteren geboren. Sein Vater war ein Maler am Übergang von der Spätgotik zur Renaissance, und er lehrte seinen Sohn zu malen und zu zeichnen. Hans Holbein der Jüngere war im 16. Jahrhundert ein wichtiger Künstler und Grafiker und ein unglaublich erfahrener Porträtmaler. Er wurde in Augsburg, Bayern geboren, und die Stadt zeigte ihm die Ideen der italienischen Renaissance, aber im Jahre 1515 ging der jüngere Holbein mit seinem Bruder Ambrosius nach Basel in der Schweiz. In Basel traf er den berühmten niederländischen Humanisten Erasmus und arbeitete für die Mitglieder der Reformation, aber auch für religiöse Mäzene. Aber der Protestantismus wuchs in Kraft und Bedeutung in Basel und von 1526 an fegten schwere Unruhen und bilderstürmende Zensur über die Stadt. Diese betrafen stark die Kunst, und Holbein verließ Basel spät im Jahr 1526. Reisen führten ihn nach England, und schließlich arbeitete er als Hofmaler von Heinrich VIII. Er malte viele Porträts der Angehörigen der Königsfamilie und des Hofes.

Während dieser Jahre malte er auch Porträts der Hochzeitskandidatinnen für die vierte Ehe von Heinrich VIII, und Anna von Kleve war eines von diesen Bildern. Das ist eine riesige Verantwortung für einen Künstler und reflektiert den Erfolg, den Holbein erreicht hatte, und es zeigt die erhöhte Stellung der bekanntesten Künstler in dieser Zeit. Nachdem das Porträt gemacht wurde, entschied sich der König dafür Anna zu heiraten, aber diese Ehe war leider nicht erfolgreich und wurde nach einem halben Jahr geschieden. Es ist eine schöne Darstellung von Anna mit eleganten Schmuck- und Kleidungsstücken. Die goldenen und roten Farben sind subtil aber königlich. Der Hintergrund ist ein gleichmäßig getöntes dunkelgrün und es ist klar, dass Anna der Fokus des Bildes und in der Mitte des Bildes ist. Die Symmetrie und Harmonie des Bildes sind erfreulich, aber sie sind auch ein bisschen unheimlich, weil Anna geistlos scheint. Der einfache Hintergrund und direkte Blick sind typisch für viele von Holbeins Bildern. Ihr Gesicht ist fein und einfach im Vergleich zu ihrer Kleidung und ihrem Schmuck, deshalb ist das Bild nicht zu extravagant und ist immer noch gut ausbalanciert.

Das Gemälde ist auf Pergament und wurde wahrscheinlich vor dem Modell in Düren abgeschlossen. Holbein hatte eine begrenzte Zeit, aber es scheint, dass er die meiste Aufmerksamkeit auf das verwendete, was Anna trug. Holbeins Vorzeichnungen seiner Modelle enthalten detaillierte Vermerke über Schmuck und andere Dekorationen sowie Kostüm.

Dieses Bild könnte Vorstellungen von Schönheit darstellen, die in der Renaissance entwickelt wurden.  Klassische griechische Skulpturen wurden in der Renaissance wiederentdeckt, und dann wurde die Idee der idealen menschlichen Schönheit auf der Basis dieser Skulpturen rekonstruiert, aber in verschiedenen geografischen Standorten gab es einige Unterschiede in den Kriterien für diese ideale Schönheit.


Bibliographie

Franz, Gunther. Huberinus, Rhegius, Holbein Bibliographische und druckgeschichtliche Untersuchung
    der verbreitesten Trost und Erbauungsschriften des 16. Jahrhunderts. Nieuwkoop: De Graaf,
    1973.

Stangerup, Helle. "Hans Holbein der Jüngere." Droemer Knaur. Web. 2 Mar. 2014.
    <http://www.droemer-knaur.de/leselounge/7761983/hans-holbein-der-juengere>.

Katherine Lawson

Caspar David Friedrich (1774 – 1840)

Klosterfriedhof im Schnee, 1819

Öl auf Leinwand, 121 cm x 170 cm, früher Nationalgalerie, Berlin, 1945 zerstört

Schwarzweissfoto des Gemäldes: http://www.bc.edu/bc_org/avp/cas/his/CoreArt/art/resourcesd/fri_clcem.jpg

Zum Vergleich, das Bild Abtei im Eichwald (1810) in hoher Auflösung: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5a/Caspar_David_Friedrich_002.jpg

Caspar David Friedrich ist vielleicht der berühmteste romantische Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts. Er wurde im Jahre 1774 in der Hafenstadt Greifswald geboren. Er verbrachte seine Kindheit an der Ostseeküste von Deutschland und war das sechste von zehn Kindern in einer lutherischen Familie. Er studierte an der Königlich-Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen mit einem Fokus auf Freihandzeichnen und dann zog er nach Dresden, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1840 lebte. Als er ein Junge war, studierte er auch an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, und er entdeckte Ludwig Gotthard Kosegarten, der lehrte, dass die Natur eine Offenbarung von Gott sei. Diese Idee beeinflusste Friedrich und sein späteres Interesse an der Erhabenheit der Natur, und im Jahr 1806 traf er auch Gotthilf Heinrich Schubert, ein Naturphilosoph der Romantik.

In einem politischen Kontext waren diese Jahre auch sehr wichtig, weil der Wiener Kongress 1815 und die Karlsbader Beschlüsse 1819 Teil der großen Veränderungen in Europa nach der napoleonischen Ära waren. Das Ziel des Kongresses war den Frieden für Europa durch Lösung von Problemen aus der Zeit der französischen Revolution und der napoleonischen Kriege zu erreichen, und es ging um die Neuverteilung der Macht. Die Karlsbader Beschlüsse waren eine Reihe von reaktionären Einschränkungen in den Staaten des Deutschen Bundes gegen Burschenschaften und liberale Intellektuelle (Professoren) und führten zu erhöhter Zensur.

Das Erhabene ist ein wichtiges Konzept der Romantik, das Friedrich in seinen Landschaftsgemälden darstellt. Landschaft ist nicht nur ein Thema für einen Hintergrund, und die Romantiker argumentierten, dass die Natur verwendet werden sollte um Gefühle auszudrücken. Das ist der Begriff der romantischen Stimmungslandschaft.

Klosterfriedhof im Schnee war eines seiner Ölgemälde, die Ruinen zeigen, aber es wurde während der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört. Deshalb gibt es heute nur Fotos von dem Gemälde, aber es gibt immer noch viele seiner Werke, die ähnliche Szenen darstellen, weil Ruinen ein häufiges Motiv in seinen Gemälden und der Romantik waren. In der Mitte des Bildes sind die Fragmente einer zerstörten Abtei (das ist möglicherweise das Hauptschiff einer gotischen Kirche) und eine Prozession von Mönchen. Gotische Architektur war typisch für die Romantik, weil sie die wichtigste Zeit der kulturellen Produktion widerspiegelt - das Mittelalter. Die Ruinen sind von Grabsteinen und den dunklen Skeletten von Bäumen umgeben. Menschliche Anwesenheit ist unbedeutend angesichts der dramatischen Landschaft - die Mönche sind winzig im Vergleich zu der Herrlichkeit der Ruinen und der Bäume. Aber warum sind die Mönche zu dieser zerstörten Abtei zurückgekommen? Oder sind sie Geister?

Die Zusammensetzung und die Ruinen sind sehr ähnlich der Abtei im Eichwald, die im Jahre 1810 abgeschlossen wurde. Ein wichtiger Unterschied zwischen den beiden Werken ist, dass Klosterfriedhof im Schnee eine Winterszene zeigt, aber die Jahreszeit in Abtei im Eichwald ist wahrscheinlich Sommer oder Herbst. Diese Jahreszeit könnte den Lauf der Zeit betonen und auch die Vergänglichkeit des Lebens symbolisieren - im Winter ist alles tot. In diesen beiden Bildern ist der Tod symbolisch ausgedrückt. Bilder des Winters vor Friedrich waren in der Regel idealisiert und schön, aber er zeigt Winter als feierlich und stark. Die symmetrische Zusammensetzung des Bildes könnte die Gottheit der Natur reflektieren, weil Symmetrie oft mit Harmonie, Monumentalität oder Religion verbunden wird.

Bibliographie

"Caspar David Friedrich – Biographie" Hamburger Kunsthalle. Web. 20 Feb. 2014.
    <http://www.hamburger-kunsthalle.de/friedrich/html/biographie.html>.

"Caspar David Friedrich (1774-1840)." C.D.Friedrich Gesellschaft. Web. 20 Feb. 2014.
    <http://www.caspar-david-friedrich-gesellschaft.de/index.php/friedrich-lebenslauf.html>.

Katherine Lawson

Max Liebermann (1847-1935)


Die Gänserupferinnen, 1871/72


Öl auf Leinwand, 119.5 cm x 170.5 cm, Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin

Bild in hoher Auflösung: http://www.wikiartis.com/media/images/work/max-liebermann/max-liebermann-ganserupferinnen.jpg

Max Liebermann ist ein bedeutender Maler und Zeichner des deutschen Impressionismus, der im Jahre 1847 als Sohn einer jüdischen Bürgerfamilie in Berlin geboren wurde. Er ist für seine naturalistischen Studien über das Leben und die Arbeit der Armen bekannt, und der Realismus und die Einfachheit seiner Bilder fordern idealisierende oder romantisierende Kunst heraus.

Liebermann studierte kurz in Berlin und Weimar bis zum Deutsch-Französischen Krieg, während dessen er ein Sanitäter war. Nach dem Krieg reiste er nach Düsseldorf, wo er Mihály Munkácsy traf. Auf dieser einflussreichen Reise besuchte er auch die Niederlande. Nach dieser Reise malte er Die Gänserupferinnen, sein erstes großes Gemälde, und dieses umstrittene Bild wurde 1872 in einer Kunstausstellung in Hamburg gezeigt. Ein Jahr später zog er nach Paris, weil er neben realistischen und impressionistischen Künstlern arbeiten wollte, und dann verbrachte er auch einen Sommer in Barbizon. Die Schule von Barbizon war eine Gruppe von Landschaftsmalern mit Künstlern wie Jean-François Millet, und diese Schule war sehr wichtig für die Entwicklung des Impressionismus. Später zog er wieder nach Deutschland und lebte in München und Berlin, aber er besuchte oft die Niederlande.

Liebermann war immer von französischen Künstlern und französischem Realismus inspiriert, und nach 1890 wurde er von Édouard Manet und Edgar Degas beeinflusst. Er fuhr fort, mit Licht und Farbe zu experimentieren. Im Jahre 1899 gründete er die Berliner Sezession, eine deutsche Künstlergruppe. Die Mitglieder unterstützten Impressionismus und Jugendstil.

Die Gänserupferinnen zeigt eine Szene des Alltags mit einer Gruppe von Bäuerinnen in einer Scheune; die Frauen arbeiten mit einer schlechten Körperhaltung und erscheinen feierlich. Die Farben sind dunkel, mit dramatischer Beleuchtung, und diese dunklen Töne wurden von Meisterwerken Rembrandts inspiriert und imitieren das Helldunkel des Barock. Das war merkwürdig, weil diese Technik in der Regel nicht in Bildern des Alltags der Armen verwendet wurde. Dieser überzeugende Stil wurde in der Regel für religiöse Bilder oder Bilder von wichtigen Personen vorbehalten. Die Arbeit der Gänserupferinnen ist sehr banal, aber Liebermann hat das Bild auch mit einer dynamischen Komposition gemalt.

Aufgrund der Zusammensetzung und des starken Lichtes könnte die alte Frau auf der rechten Seite der Malerei von großer Bedeutung sein. Es gibt nicht so viele Lichtquellen in der Scheune (es gibt nur ein kleines Fenster im Bild), aber diese Frau ist in Licht getaucht und ihre Körperhaltung errinert an Pietà-Darstellungen. Die weißen Federn der Gänse stehen im Kontrast zu der Dunkelheit der Scheune, und Weiß ist eine Farbe mit vielen symbolischen Bedeutungen, wie Unschuld. Dieses Bild könnte die Einfachheit und Unschuld der Leute darstellen. Oder die Gänse zeigen einen Unterschied in den sozialen Klassen, weil nur die Reichen es sich leisten können, Gänse zu essen. Das Gemälde erhielt viel Kritik; Lieberman erhielt den Namen “Schmutzmaler”, weil er hässliche Bildthemen wählte, und seine realistischen Darstellungen der Landwirtschaft wurden von Kritikern nicht akzeptiert (“Max Liebermann”, 2011). Liebermann versucht, das Leben und die Arbeit der einfachen Menschen zu einem würdigen Gegenstand der Kunst zu erheben. Diese Themen waren auch in der Literatur der Zeit vertreten, in Stilarten wie dem Naturalismus.

Bibliographie

Krieger, Peter. “Max Liebermanns Impressionisten-Sammlung und ihre Bedeutung für sein Werk”. Max Liebermann in seiner Zeit: Ausstellungskatalog. München: Prestel,1979.

“Max Liebermann. Wegbereiter der Moderne.” Hamburger Kunsthalle. 2011. <http://www.hamburger-kunsthalle.de/index.php/liebermann2011/articles/liebermann2011.html>


Katherine Lawson

Gustav Klimt (1862-1918)


Die Hoffnung I, 1903

Öl auf Leinwand, 189 x 67 cm, National Gallery of Canada, Ottawa

Bild in hoher Auflösung: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/41/Klimt_-_Hoffnung_I_-_1903.jpeg

Bild im Kontext des Standortes: http://www.gallery.ca/en/see/collections/artwork.php?mkey=8614

Gustav Klimt wurde am 14. Juli 1862 in Wien (Baumgarten) geboren. Er hat mit Stipendium die Wiener Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie besucht. Er folgte seinem Vater, der Goldgraveur war. Am Ende ist Gustav Kunstmaler geworden. 1883 hat er mit seinem Bruder Ernst, der auch Künstler war, und Franz Matsch die Künstlercompagnie gebildet. Von 1883 bis 1891 hatten sie viele große Verträge, in anderen österreichischen Ländern, in Kroatien und Rumänien. Die Künstlercompagnie hat auch die Fresken in den Stiegenaufgängen des Wiener Burgtheaters gemacht. 1894 starb Ernst Klimt, und es entwickelten sich Probleme zwischen Gustav und Franz Matsche. 1887 wurde die Wiener Secession, auch Wiener Jugendstil genannt, gegründet. Mit der Gruppe hat Klimt in vielen Ausstellungen seine Werke gezeigt. 1905 hat er die Secesssion aufgrund künstlerischer Entfremdung  verlassen. Am 11. Januar 1918 hatte Klimt einen Schlaganfall. Am 6. Februar dieses Jahres starb er im Wiener Allgemeinen Krankenhaus.

Klimt ist noch heute ein wichtiger Künstler Österreichs. In Wien ist er wie die Kaiserin Elizabeth, weil beide überall in der Stadt als Touristenattraktion zu finden sind. Touristen können alles mit Der Kuss darauf kaufen, vom Magnet bis zum Regenschirm. Klimt hat dem Wien seiner Zeit internationalen Erfolg  gebracht. Mit seinem Stil hat er in Österreich Modernismus und Avant-Garde gefördert. Seine Kunst ist eine Mischung von Allegorie, Mythologie, Erotismus, Ornament und Symbolismus mit Einflüssen von dekorativer Kunst, byzantinischer Kunst und japanischer Kunst. Obwohl er viele Jahre Mitglied der Secession war, hat er immer seinen eigenwilligen Stil behalten. Er hat auch jungen Künstlern wie Egon Schiele und Oskar Kokoschka geholfen und sie beeinflusst. Leider steht Der Kuss allein im Rampenlicht.

Die Hoffnung I ist auch sehr interessant. Das Gemälde, das hier in Ottawa ausgestellt ist, ist ein bisschen vergessen, trotz seines originellen Themas. Es stellt eine nackte schwangere Frau dar. Sie steht mit ihrem Blick auf uns gerichtet. Hinter ihr gibt es böse Figuren. Sie sind nah bei der Frau und geben ihr keinen Raum. Auch ein großer Schatten fliegt nahe bei ihr. Nur ein heller Wasserfall bleibt, um sie und ihr Baby zu schützen. Die Geschichte dieses Gemäldes ist, dass Klimts Model Herma sich bei ihrer Mutter versteckt hatte, weil sie schwanger war. Zu ihrer Zeit war es skandalös, dass eine Frau ein Baby vor der Hochzeit bekommt. Herma hatte Angst vor dem Urteil der Gesellschaft, deshalb blieb sie zu Haus. Es war Klimt egal, er wollte ihr Porträt malen. Meine Idee ist, dass er Herma Hoffnung geben wollte. Es ist nicht klar, was alle die Figuren im Hintergrund darstellen. Klimt hat dazu nichts erklärt. Ich denke, dass der fliegende Schatten das Vorurteil ist. Mit ihrem Bauch war sie ein Opfer von allen Kritiken. Ihr Kind konnte auch leiden, weil es keinen Vater hatte. Trotz der Schwärze des Lebens, das sie für ihr Kind kämpfen muss, muss sie stark sein. Mit ihrem ruhigen und ernsten Blick wollte Klimt vielleicht sagen, dass Herma ihre Sorgen vergessen sollte, und dass sie nur das Beste hoffen sollte.


Quellen

Verein Gedenkstätte Gustav Klimt  ,,Gustav Klimt‘‘ online unter http://www.klimt.at/de/default.asp (abgerufen am 13.01.2014)

,,Gustav Klimt’’ online unter http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Klimt (abgerufen am 13.01.2014)

ROGOYSAKA Jane und Patrick BADE. Klimt. New York, Parkstone Press International, c2011

Laura Tanguay-Bérubé

Oskar Kokoschka (1886-1980)


Die Windsbraut
, 1913


Öl auf Leinwand, 181 x 220 cm, Kunstmuseum Basel

Bild in hoher Auflösung: http://decourtenay.files.wordpress.com/2012/03/kokoschkaoskarwindsbraut.png

Bild im Kontext des Standortes


Oskar Kokoschka und Die Windsbraut

Oskar Kokoschka wurde am 1. März 1886 in Pöchlarn geboren. 1904 studierte er an der Wiener Kunstgewerbeschule.  Er hat sich für Edward Munchs Stil interessiert, und später wurde er auch ein wichtiger Vertreter des Expressionismus. Von 1912 bis 1915 hatte er mit Femme Fatale Alma Mahler eine leidenschaftliche Beziehung. Während des ersten Weltkriegs war er in einem Dragonerregiment, und 1915 wurde er durch einen Kopfschuss und Bajonettstich verwundet. Zwischen den zwei Weltkriegen hat er viele Reisen gemacht, und 1934 lernte er seine spätere Frau Olda kennen. 1937 fand sich sein Name auf der schwarzen Liste des Nationalsozialismus. Acht seiner Werke waren in der Entartete-Kunst Ausstellung, die gegen Modernismus kämpfte, vertreten. Er musste ins Exil gehen, deshalb floh er nach England. Er starb am 22. Februar 1980 in Montreux, Schweiz.

Die Windsbraut kommt aus der Zeit, als Kokoschka Alma liebte. Beide sind in einem kleinen Boot in Zentrum eines Sturms dargestellt. Der Himmel und das Meer sind dunkel-blau, während sie beide in dem Wirbelsturm verloren sind. Alma schläft, aber Kokoschka liegt nervös bei ihr. Sein eingefallenes Gesicht ist rot und blau, deshalb sieht er auch krank aus. Er ist nachdenklich und hat seinen Blick zum Himmel gerichtet. Seine Hände sind verkrampft. Der Sturm ist eine Metapher ihrer Beziehung, weil Alma untreu und Kokoschka eifersüchtig war. Es war eine verrückte Liebe, aber sie waren so leidenschaftlich, dass sie im Sturm zusammen blieben. Das Paar wird von Anderen ferngehalten. Die Wellen kommen und drehen ab, aber sie versuchen nicht ihnen zu helfen. Sie berühren sie nicht. Sie machen nichts, während sie auf dem Wasser treiben. Für Alma ist es egal, dass Kokoschka traurig bleibt. Der erste Titel dieses Bilds war Tristan und Isolde. Es wurde nach Richard Wagners Oper benannt. Für beide war diese Oper wichtig, weil sie ein Symbol  ihrer ersten Begegnung war, und es ist auch die Geschichte einer unmöglichen und tragischen Liebe. Vielleicht war der Titel Die Windsbraut optimistischer. Sie macht Sturm, aber sie ist manchmal ruhig. Vielleicht hat er noch das Gefühl, es könnte mit Alma funktionieren. Später hat Kokoschka gesagt: ,, In meiner Windsbraut sind wir auf ewig vereint! ‘‘ Vielleicht wollte er immer im Sturm bleiben.

Bibliografie

,,Oskar Kokoschka‘‘ online unter http://www.alma-mahler.com/deutsch/almas_life/kokoschka.html (abgerufen am 21-01-2014)

,,Kunstmuseum Basel‘‘ online unter http://www.kunstmuseumbasel.ch/ (abgerufen am 21-01-2014)

Fondation Oskar Kokoschka, ‚,Biographie‘‘ online unter http://www.oskar-kokoschka.ch/biographie.html (abgerufen am 21-01-2014)

Laura Tanguay-Bérubé

Egon Schiele (1890-1918)

Tod und Mädchen, 1915

Öl auf Leinwand, 150 cm x 180 cm, Belvedere, Wien

Das Bild in hoher Auflösung: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/27/Egon_Schiele_012.jpg

Das Bild im Kontext des Standortes: http://www.belvedere.at/de/sammlungen/belvedere/expressionismus/schiele

Egon Schiele, der ein Schützling von Gustav Klimt war, wurde 1890 in Tulln, Österreich geboren. Schiele starb im Jahr 1918 an der Spanischen Grippe, als er nur 28 Jahre alt war, aber in seinem kurzen Leben war er ein sehr produktiver Maler und Zeichner. Seine Bilder waren ein wesentlicher Teil des frühen Expressionismus. Als er 16 Jahre alt war, begann er sein Studium in der traditionellen Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Christian Griep, aber er war von der strengen Disziplin der Schule frustriert und er brach sein Studium nach drei Jahren ab. Als er noch Student war, suchte er Kontakt zur Wiener Sezession und traf auch Gustav Klimt, der einen sehr großen Einfluss auf ihn hatte. Schiele und andere junge Künstler gründeten 1909 die „Neukunstgruppe,“ und die Künstler präsentierten eine Ausstellung im Wiener Salon Pisko.
 
Schiele zeichnete und malte und produzierte viele Ansichten von Stadt- und Weingärten, aber auch viele Akte, die junge Frauen zeigten. Seine erotischen Bilder beleidigten die Bevölkerung, und es wird gemunkelt, dass er im Jahr 1912 ein minderjähriges Mädchen verführte und für drei Wochen im Gefängnis war. Schiele ist für seine dramatischen und skandalösen Beziehungen mit Frauen bekannt, und diese Beziehungen sind oft in seiner Arbeit veranschaulicht. Zum Beispiel gibt es viele Bilder von Walburga (Wally) Neuzil, dem Mädchen, das mit Schiele in Wien und Neulengbach lebte. Allerdings heiratete er 1915 Edith Harms, und Wally verließ ihn. Er wollte, dass Wally auch nach der Ehe seine Geliebte bliebe, und als sie die Beziehung beendete, war er am Boden zerstört. Nach der Trennung von seiner Lebensgefährtin Wally malte er Tod und Mädchen. Zu dieser Zeit gab es auch die Angst der Wehrpflicht für den Krieg. Es ist klar, dass die männliche Figur ein Selbstporträt ist, und die Frau sieht auch ähnlich aus wie andere Porträts von Wally, die Schiele gemalt hat. Die beiden klammern sich aneinander auf einem weißen Tuch über einer abstrakten Landmasse - es könnten die Steine und die Erde von einem Hügel sein. Die schmerzhaft verzerrten Figuren und großen Hände sind typisch für Schieles Stil, und das gilt auch für die ausdrucksstarken Linien und Erdtöne, aber es gibt auch ein bisschen grün. Ist es möglich, dass dies Frühling oder Hoffnung zeigt? Die beiden scheinen gequält und das Gesicht des Mannes drückt viele Dinge aus - ist er erschrocken, ängstlich, taub oder traurig? Es scheint, dass das Paar weiß, dass sie getrennt werden, und dieses Bild könnte eine letzte Umarmung zeigen.

Das Bild erinnert an Klimts Kuss (1907) und an Kokoschkas Die Windsbraut (1913), weil die Zusammensetzung sehr ähnlich ist. Die beiden Maler waren immer erhebliche Einflüsse für Schiele.


Bibliographie

"Egon Schiele" Art Directory. Web. 15 Mar. 2014. <http://www.egon-schiele.de/>.

"Egon Schiele | Sammlungsschwerpunkte." Leopold Museum. Web. 14 Mar. 2014.
    <http://www.leopoldmuseum.org/de/sammlung-leopold/schwerpunkte/egon-schiele>.


Katherine Lawson



Hannah Höch (1889-1978)


Schnitt mit dem Küchenmesser
durch die letzte Weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands
, 1919-20

Fotomontage und Collage mit Aquarell, 114 cm x 90 cm, Neue Nationalgalerier, Staatliche Museen zu Berlin

Bild in hoher Auflösung: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/6/6b/Hoch-Cut_With_the_Kitchen_Knife.jpg

Kontext des Standortes: http://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/neue-nationalgalerie/ueber-die-sammlung.html

Hannah Höch, die 1889 in Gotha geboren wurde, war eine Künstlerin, die für ihre innovativen Fotomontagen und Collagen des Dadaismus bekannt war. Ihre bekannten Fotomontagen bilden soziale und politische Kritiken der 1920er Jahre durch die Manipulation der Massenmedien ab.
Ihr Vater war ein Versicherungsangestellter, und als sie ein Kind war, war sie ein Teil einer wohlhabenden bürgerlichen Familie. Im Jahr 1912 schrieb sie sich an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Charlottenberg ein, aber die Schule schloß nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 (Bucher 2). Während des Kriegs arbeitete sie für das Rote Kreuz, aber sie kehrte 1915 nach Berlin zurück, um ihr Studium abzuschließen. Sie war eine Schülerin von Emil Orlik an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin, und im gleichen Jahr lernte sie Raoul Hausmann kennen. Höch und der bereits verheiratete Hausmann hatten eine Liebesbeziehung, die sieben Jahre dauerte, und er war sehr einflussreich in der Entwicklung ihrer Werke mit Fotomontage.  Zwischen 1916 und 1926 arbeitete Höch drei Tage in der Woche beim Ullstein-Verlag, einem großen Verlag von Zeitschriften und Zeitungen in Berlin (Bucher 3).

In den 1920er Jahren reiste sie nach Paris und Holland. Während dieser Reise besuchte sie Piet Mondrian und die Gruppe De Stijl. Ihre andere signifikante Liebesbeziehung war nach 1926 mit Til Brugman, aber weil es eine gleichgeschlechtliche Beziehung war, erhielt sie Kritik von anderen Mitgliedern des Dadaismus. Ihre Werke wurden nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 als entartete Kunst verboten,  aber während dieser Zeit blieb sie in Berlin im inneren Exil.

Schnitt mit dem Küchenmesser durch die letzte Weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands (1919-20) ist vielleicht eine der berühmtesten Collagen, und diese Collage ist nun eine Ikone des Dadaismus. Es gibt zwei Hälften des Bildes - auf der linken Seite ist der Dada-Teil und auf der rechten Seite ist der Anti-Dada-Teil. Aber es ist auch möglich, das Bild in vier Bereiche eingeteilt zu sehen. Es gibt eine Mischung aus Bildern und Textstücken aus Reproduktionen der Massenmedien. Es gibt bis zu 50 Personen in der Fotomontage und es sieht sehr chaotisch aus, aber jedes Bild hat einen Zweck oder eine Bedeutung. Es gibt Persönlichkeiten aus Politik, Militär und Wissenschaft. Kaiser Wilhelm, Albert Einstein, Karl Marx, die Mitglieder des Dadaismus und viele andere sind ein Teil der Montage. Die Kombination von Elementen aus der gesellschaftlichen Realität der Weimarer Republik bildet eine neue Methode der Darstellung. Die Entwicklung der Collage spiegelt die Entwicklung neuer Technologien in der Fotografie und der Medienindustrie wider.

Aber es gibt immer ein weiteres sehr wichtiges Thema in Höchs Werken. Die Darstellungen von Frauen und Definitionen von Weiblichkeit in den Nachkriegsmedien waren sehr instabil. Als einzige Frau des Dadaismus verarbeitet Höch oft feministische Themen, Perspektiven oder Kritiken in ihren Werken. Zum Beispiel kombiniert sie die Köpfe der Dadaisten George Grosz und Wieland Herzfelde zusammen auf dem Körper einer Ballerina. Die Position des Raoul Hausmann könnte auch kritisch sein, denn er ist eng mit dem Anti-Dada-Teil verbunden. Das “Küchenmesser” des Titels könnte auch ein Symbol für die Hausfrau sein, weil Höch oft Darstellungen von Frauen in der Gesellschaft in der Weimarer Republik in ihren anderen zeitkritischen Fotomontagen ansprach.  In der rechten unteren Ecke gibt es auch eine Karte mit Ländern in Europa, wo die Frauen das Wahlrecht hatten. Sie hat auch ein kleines Selbstporträt auf die Karte gesetzt.

Bibliographie

Bucher, Claudia. Hannah Höch und ihre Fotomontagen während Dada Berlin. Freiburg: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 2006.

Lohkamp, Brigitte. "Malerei." Deutsche Kunst der 20er und 30er Jahre. München: Bruckmann, 1979. 115-236.

Katherine Lawson

Paul Klee (1879-1940)


Senecio
, 1922

Öl auf Kreidegrundierung auf Gaze auf Karton, originaler, gelbgefasster Rahmen, 40,3 cm x 37,4 cm, Kunstmuseum Basel

Bild in hoher Auflösung: http://uploads4.wikipaintings.org/images/paul-klee/senecio-1922(1).jpg

Bild im Kontext des Standortes


Paul Klee und Senecio

Paul Klee wurde am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee bei Bern geboren. Obwohl er in der Schweiz geboren wurde, hatte er die deutsche  Staatsangehörigkeit. Sein Vater Hans Klee war Musiklehrer. In der Schule hat Klee sich für Kunst interessiert, aber er wusste nicht, ob er Musiker oder Maler werden wollte. 1898 studierte er Kunst in München. 1906 heiratete er die Pianistin Lily Stumpf und ein Jahr später wurde ihr Sohn Felix Paul Klee geboren. 1910 hatte Klee seine erste Ausstellung. 1911 begann Paul Klee seinen Oeuvrekatalog, in dem er über alle seine Werke schrieb. Er benutzte diesen Katalog bis zu seinem Tod. Klee nahm an einer Ausstellung  des Blauen Reiters mit Wassily Kandinsky teil. Während des Kriegs hat er seinen Kriegsdienst gemacht. Er hat darüber viel geschrieben, und es war für ihn ein traumatisches Erlebnis. Nach dem Krieg hatte Paul Klee viele gute Jahre. Er machte viele Ausstellungen, auch in den USA, und verdiente genug Geld als Lehrer, im Bauhaus und dann an der Düsseldorfer Akademie. Probleme fingen 1933 an, als die Nazis an die Macht kamen. Sie ordneten eine Durchsuchung seines Hauses in Dessau an, und er verlor seine Arbeit in Düsseldorf. Klee immigrierte mit Lily in die Schweiz. 1935 hatte Klee eine Lungenentzündung und erholte sich erst im Jahre 1937. In diesem Jahr wurden auch 17 seiner Werke in der Ausstellung ,,Entartete Kunst‘‘ gezeigt. 1940 erkrankte Klee, und er starb am 29. Juni in der Clinica Sant’ Agnese in Locarno-Muralto, kurz bevor er seine Schweizer Staatsangehörigkeit bekommen konnte. In seinem letzten Jahr produzierte er über 1000 Werke. 

Senecio vulgaris ist der lateinische Name für das gewöhnliche Greiskraut, eine Pflanze der Familie der Korbblütler. Paul Klee hat auch den Titel Baldgreis benutzt. Es ist auch ein Name für das Greiskraut. Der Titel ist also eigentlich ein Pflanzenname, aber das Bild stellt keine Blumen dar, sondern eine Person. Diese Person beobachtet etwas zu ihrer Rechten und hat einen fragenden Blick. Die Farben sind sehr hell. Gelb, Orange und Rot dominieren. Nur die linke Augenbraue ist schwarz. Sie gibt dem Gesicht stärkeren Ausdruck. Das Thema ist klar und einfach, aber Klees Techniken sind sehr originell. Es ist nicht Öl auf Leinwand, sondern Öl auf Kreidegrundierung auf Gaze auf Karton, in einem gelbgefassten Rahmen. Das Gemälde ist eine Konstruktion von geometrischen Formen. Der Kopf ist ein Kreis, die rechte Augenbraue ist ein Dreieck. Quadrate sind im Hintergrund und in dem Gesicht. Viele Strömungen haben Paul Klee beeinflusst. Geometrische Abstraktion und Kubismus sind Einflüsse, aber afrikanische Kunst ist auch ein wichtiger Einfluss. Afrikanische Masken und ,,Primitivismus‘‘ waren exotische Themen in Europa am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein anderer Einfluss kam vielleicht von seinen eigenen Werken. Als sein Sohn Felix jung war, hat Klee viele Puppen gemacht. Sie haben oft Masken und sind dem Gesicht in Senecio ähnlich.

Quellen

,, Kunstmuseum Basel ‘‘ online unter http://www.kunstmuseumbasel.ch

,, Zentrum Paul Klee Bern,, Online unter http://www.zpk.org/de/index.html

Laura Tanguay-Bérubé

Otto Dix (1891-1969)

Der Krieg, 1929-1932


Öl auf Holz,  60 cm x 204 cm,  Galerie Neue Meister, Dresden

Bild in hoher Auflösung: http://reflectionsandcontemplations.files.wordpress.com/2010/10/otto_dix_war_triptych1.jpg

Bild im Kontext des Standortes: http://www.skd.museum/de/sonderausstellungen/otto-dix-der-krieg-das-dresdner-triptychon/

Ausstellung "Transformations - A.Y. Jackson and Otto Dix", Canadian War Museum, 10. April - 21. September 2014

Otto Dix war einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, berühmt für seine Gemälde und Zeichnungen des Ersten Weltkriegs und seiner Verbindung mit einer Kunstströmung der Weimarer Republik - der Neuen Sachlichkeit. Weil Dix auch im ersten Weltkrieg kämpfte, waren die Schrecken des Krieges und Tod typische Themen in seinen Bildern.

Dix, der Sohn von Ernst Franz Dix und Frau Pauline Louise Amann, wurde 1891 geboren. In Gera hatte er eine einfache Erziehung und eine gute Ausbildung. Vor Kriegsbeginn war Dix ein Lehrling bei einem Dekorationsmaler, dann war er ein Student an der Kunstgewerbeschule in Dresden. Hier wurde er von den älteren Meistern, Impressionismus und Expressionismus beeinflusst, aber er experimentierte auch mit kubistischen und futuristischen Formen.

Nach dem Ausbruch des Weltkriegs im Jahr 1914 meldete er sich freiwillig für den Krieg bei der Feldartillerie. Er fertigte viele Skizzen und Zeichnungen von seinen Erfahrungen. Diese Skizzen sind ein wichtiger Grundstein für sein Werk nach dem Krieg. Das Werk Der Krieg, das im Jahre 1924 veröffentlicht wurde, besteht aus fünfzig Radierungen und illustriert seine Beobachtungen während des Krieges. Die Radierungen zeigen den Alltag der Soldaten, zerstörte Landschaften, gewalttätige Angriffe und Gräben. Dix zeigte die schrecklichen Folgen dieses Krieges, anstelle von nationalistischen oder heroischen Bildern. Der Stil der Radierungen wurde von Francisco de Goya inspiriert. Diese Serie war wichtig als Grundlage für seine Bilder nach dem Krieg.

Nach dem Krieg zog Dix wieder nach Dresden und studierte an der Akademie der bildenden Kunst. Er begann realistische Gemälde mit sozialkritischen Motiven zu machen, und als Künstler war er in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts umstritten, so auch für sein Werk mit dem Titel Der Krieg (1929-1932), das ein Triptychon mit Predella ist. Das Triptychon zeigte die Schrecken und Folgen des Kriegs mit starker Anti-Kriegs-Stimmung. Mit den vielen grausamen Leichen in jeder Tafel hat Dix kein heroisches Bild des Krieges präsentiert, und er fordert konventionelle Bilder von Konflikten heraus. Dix zeigt eine ehrliche Darstellung der Bedingungen des Krieges, und jede Tafel zeigt eine Phase des Kampfes - vor, während und nach dem Kampf. Die Tafel links scheint weniger gewalttätig als die anderen, aber der rote Himmel ist eine Vorahnung. Die Farben und die Zusammensetzung nehmen Bezug auf Künstler wie Grünewald, Altdorfer oder Holbein. Die Form des Triptychon bezieht sich auf einen christlichen Altar und ist im Stil der alten Meister gemalt. Normalerweise zeigte die Predella eine Christusfigur, aber wir sehen in Der Krieg eine Gruppe von unbekannten Soldaten. Dix verwendet diese Hinweise für eine Kritik der gegenwärtigen Gesellschaft.

Weil seine Werke sehr umstritten waren, wurden Dix’ Kriegsdarstellungen von den Nazis nach ihrer Machtübernahme 1933 beschlagnahmt, oder teils sogar zerstört. Seine Kriegsdarstellungen wurden von den Nazis als “entartete Kunst” bezeichnet, weil die Bilder als beleidigend und gefährlich angesehen wurden.
In unserer Zeit bleibt Dix ein wichtiger Künstler, weil seine entsetzlich realistischen Darstellungen von Verwundeten und Toten unser Verständnis von dem ersten Weltkrieg und danach von der Weimarer Republik und von Nazi-Deutschland informieren. Er hat bedeutende Beiträge zu Kunstrichtungen wie Expressionismus, Dadaismus, aber vor allem der Neuen Sachlichkeit geleistet.

Bibliographie

Merz, Jörg Martin . "Otto Dix' Kriegsbilder. Motivationen - Intentionen - Rezeptionen." Marburger Jahrbuch Für Kunstwissenschaft 26 (1999): 189-226.

Schubert, Dietrich. "Otto Dix - das Triptychon "Der Krieg" 1929-1932." Konflikt (Heidelberger Jahrbücher). Dordrecht: Springer, 2005. 311-331.

Vorwerk, Thomas. "Otto Dix – Der Krieg 50 Radierungen von 1924." Satt.org. Web. 12 Jan. 2014. <http://www.satt.org/kunst/03_03_dix_1.html>


Katherine Lawson

Max Ernst (1891-1976)

Naissance d'une Galaxie, 1969

Öl auf Leinwand, 92 x 73 cm, Fondation Beyeler, Basel

Bild in hoher Auflösung

Bild im Kontext des Standortes: http://www.fondationbeyeler.ch/sammlung/max-ernst

Max Ernst wurde am 2. April 1891 in Brühl geboren. Er hat Philosophie in Bonn studiert, und an der Universität ist er dem Expressionisten August Macke begegnet, mit dem er die Gruppe Rheinische Expressionisten gegründet hat. Während des ersten Weltkriegs hat er seinen Militärdienst gemacht. Nach dem Krieg gab es Ähnlichkeiten zwischen seinem Werk und der Dadaismus-Bewegung. Durch Dada-Treffen hat er André Breton und andere spätere Vertreter der Surrealismus-Bewegung kennengelernt. 1921 hatte er seine erste Ausstellung in Paris, und 1922 ist er dorthin umgezogen. Max Ernst hatte eine wichtige Rolle im Surrealismus, weil er Dichter und Maler der Dichter war. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde er auf die Schwarze Liste gesetzt. Nach der deutschen Invasion war er in Frankreich Feind, deshalb war er in Lagern interniert. 1941 emigrierte er mit der Hilfe von Peggy Guggenheim in die USA. 1948 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft und 1958 erhielt er die französische Staatsbürgerschaft. 1954 gewann er den großen Preis bei der Biennale von Venedig. Er starb am 1. April 1976 in Paris.

Naissance d’une Galaxie

Dieses Gemälde ist eines seiner Spätwerke. Es war 1969 fertig, im gleichen Jahr wie die Mondlandung. Hier kann man die neue Galaxie sehen. Es ist ein heller Kreis, bei dem der Himmel dunkelblau ist. Max Ernst hat in vielen Werken das Kosmos-Thema benutzt. 1964 hat er mit seinem Freund Iliazd Maximiliana gemacht, ein Buch über den Astronomen Ernst Wilhelm Lebrecht Tempel. Dieses Buch zeigt Texte von Iliazd und Radierungen von Ernst. Mit diesem Werk hat er neue Techniken gefunden, die er in seinen Spätwerken benutzt hat. Er nimmt banale Objekte, mit denen er Gestirne macht. Zum Beispiel ist ein Flaschenöffner ein Planet geworden. Mit Naissance d’une Galaxie benutzt er eine durchlöcherte Scheibe, von der Farben auf die Leinwand fallen konnten. Dann ließ er Wasser auf die Farbe laufen. Diese Technik macht den Eindruck eines Reliefs. Obwohl der Kreis eine Galaxie ist, ähnelt er dem Mond. Das blaue Licht im Zentrum gleicht einem Blitz oder einem Magnetfeld, weil die Galaxie viel Energie hat. Im Zentrum gibt es einen kleinen Kreis, der der Erde ähnelt. Man weiß nicht, ob die Erde Zentrum der Welt ist oder die Galaxie die Erde verschlingt. Dieses Gemälde hat einen romantischen Stil mit innovativen Techniken. Max Ernst wurde von der Romantik beeinflusst, weil er die Natur betrachtete,  und weil er gemeine Objekte in fantastischste Gestirne verwandelt.

Quellen

HERZOGENRATH Wulf. Max Ernst in Köln : die rheinische Kunstszene bis 1922. Köln, Rheinland-Verlag, 1980.
,
,Fondation Beyeler‘‘  online unter http://www.fondationbeyeler.ch/sammlung/max-ernst

,,Der Künstler Max Ernst‘’ online unter http://www.maxernstmuseum.lvr.de/fachthema/deutsch/MaxErnst/

Laura Tanguay-Bérubé

Joseph Beuys (1921-1986)


I like America and America likes me, 1974


Filmaufnahmen der Kunstaktion: https://www.youtube.com/watch?v=Z-u1dgZJV9E
(Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm Messias in Filz - Der Künstler Joseph Beuys, Regie: Thomas Palzer, 2000)

Joseph Heinrich Beuys wurde am 12. Mai 1921 in Krefeld geboren. In der Schule hat er sich für Kunst interessiert und wollte Bildhauer werden.  Dann ist der Zweite Welt Krieg gekommen und er hat sich freiwillig zur Luftwaffe gemeldet. Der Krieg war eine wichtige Erfahrung für Joseph Beuys, weil er der Anfang seiner Legende ist. Als er an der Ostfront war, hatte sein Flugzeug einen Absturz auf der Krim. Obwohl ein Suchkommando ihn gefunden hat, hat er eine andere Geschichte erzählt. Er sagte, dass eine Gruppe nomadischer Krimtataren ihn gefunden hat. Um ihn zu retten, haben sie ihn in Fett und Filz warmgehalten. Deshalb sind Fett und Filz später seine Lieblingsmaterialien geworden. Man kann Beuys an seinem Filzhut erkennen, den er oft trug. Nach dem Krieg ist er für seine Aktionen und Skulpturen bekannt geworden. Er  war sehr engagiert und sprach über Politik, Spiritualismus, Humanismus und Ökologie. Er hat sich Schamane genannt, und als er Lehrer an der Düsseldorf Kunstakademie war, wurde er manchmal  auch Guru genannt. Seine Meinung war, dass jeder, der Kunst studieren wollte, studieren können sollte. Zu viele Leute wollten seine Kurse besuchen, deshalb hat er seine Arbeit verloren. Er hat viele Theorien über Kunst gemacht und hat mit anderen Künstlern an der Avantgarde-Bewegung Fluxus teilgenommen. Gegen Ende seines Lebens war er aktiv in der Grünen Partei. Er starb am 23. Januar 1986.

I like America and America likes me ist eine Aktion vom 21. Mai bis zum 25. Mai 1974. Es war die Eröffnung der René Block Gallery in New York, und Beuys’ Aktion hat sie inauguriert. Es war während des Vietnamkrieges, gegen den Beuys war, und er wollte nicht nach Amerika gehen, während sie im Krieg waren. Er ist nach Amerika gegangen, aber er ist in Filz geblieben und hat nicht den Grund berührt. In Düsseldorf hat ein Krankenwagen ihn zum Flughafen transportiert, und dann ist er zum JFK Airport gereist. Am JFK  wurde er in Filz eingepackt und noch einmal im Krankenwagen transportiert, aber diesmal zur René Block Gallery. Dort wurde er in einem Raum mit einem Kojoten, der Little John hieß, isoliert. Jeden Tag gab Joseph Beuys Little John das Wall Street Journal, um ihn zu zähmen. An Anfang war der Kojote aggressiv und wütend, aber mit der Zeit ist er freundlich geworden. Am dritten Tag ist Beuys weggegangen, wie er gekommen ist. Die Aktion ist reich an Symbolen. Für indianische Leute war der Kojote heilig, aber die ersten europäischen Leute haben die Kojoten exterminiert. Für viele ist Beuys’ Aktion ein Ritual, bei dem Beuys ein Schamane ist. Er versucht, dem Kojoten seinen Spiritualismus zurückzugeben. Für andere wollte Joseph Beuys eine Versöhnung zwischen dem weißen Volk und dem indianischen Volk zeigen. Die Zeitung ist ein Symbol der Gesellschaft, und der Kojote ein Symbol des ersten amerikanischen Volks. Für mich wollte er Amerika zeigen, dass man nicht immer Krieg oder Gewalt braucht. Auch mit Pazifismus kann man Beziehungen machen und Probleme lösen.

Quelle

TISDALL Caroline, Joseph Beuys Coyote, London, Thames and Hudson, c2008.

Laura Tanguay-Bérubé

Anselm Kiefer (1945 - )


Margarete, 1981

Öl und Stroh auf Leinwand, 280 x 380 cm, Saatchi Gallery, London

Bild in hoher Auflösung: http://www.artchive.com/artchive/K/kiefer/margaret.jpg.html

Bild im Kontext des Standortes: http://www.saatchigallery.com/aipe/anselm_kiefer.htm

Anselm Kiefer ist einer der wichtigsten Nachkriegskünstler in Deutschland als ein Mitglied der neuen Generation, und sein Werk untersucht oft die deutsche Geschichte, Identität und Kultur. Er wurde wenige Monate vor dem Ende des zweiten Weltkrieges 1945 in Donaueschingen geboren. Er begann sein Studium an der Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg im Breisgau, das er nicht abgeschlossen hat. Er brach sein Studium der Rechtswissenschaften, Romanistik und Literatur ab und begann, an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Freiburg zu studieren, und er studierte bei Peter Dreher und Horst Antes. Später studierte er auch bei Joseph Beuys an der Kunstakademie Düsseldorf. Aber sein ursprüngliches Interesse an Literatur und Philosophie ist immer in seine Kunst integriert. Die Symbolik in seinen Bildern ist oft der Literatur und Poesie verwandt. In seiner Jugend begann er bereits die Schaffung umstrittener Werke wie der Fotoserie Besetzungen (1969). Während seiner Karriere reiste er viel, und durch diese verschiedenen Länder wurde seine Arbeit beeinflusst. Zum Beispiel reiste er in Indien, Mexiko und China, und seit 1991 lebt er in Frankreich.

In dem 1981 entstandenen Gemälde Margarete ist die Bedeutung von Literatur und Poesie in Kiefers Kunst klar, weil dieses Werk (ein Teil einer großen Serie) eine metaphorische Darstellung der Figur Margarete in dem Gedicht "Todesfuge" von Paul Celan ist. Dieses Gedicht wurde nach dem zweiten Weltkrieg als Reaktion auf die Konzentrationslager und Schrecken des Krieges geschrieben. Kiefer ist für seine experimentelle Verwendung von Materialien bekannt, und in diesem Bild gibt es in das Gemälde integriertes Stroh. Das Bild zeigt eine Nahaufnahme von brennendem Stroh, mit dem Namen Margarete in der oberen Hälfte geschrieben. Es gibt eine begrenzte Farbpalette und das Gold des Strohs dominiert vor einem himmelblauen Hintergrund. Die Bilder in der Serie sind in der Regel archetypische Landschaften mit zerstörtem oder beschädigtem Land.

Die Figur der Margarete wird nicht nur in "Todesfuge" gefunden, und der Name verweist auf andere wichtige literarische Figuren. Margarete ist in der deutschen Kultur ein Symbol, eine archetypische Frau. In Faust, einem romantischen Text von Goethe, ist sie ein einfaches und naives Mädchen aus dem Dorf, das später verführt wird. Ein bestimmendes Merkmal von Margarete ist ihr goldenes Haar, das in dem Gemälde durch Stroh vertreten ist. In "Todesfuge" ist ihr goldenes Haar ein Zeichen der arischen Schönheit im Gegensatz zu den dunklen Locken von Sulamith (der jüdischen Frau). Die Brennbarkeit und die Zerbrechlichkeit des brennenden Strohs untergraben Mythen der Vorherrschaft der arischen Rasse. Das Bild könnte auch die zerstörten Überreste der deutschen Länder nach dem Krieg darstellen. Kiefer setzt sich mit den Bedingungen im Nachkriegsdeutschland, deutscher Geschichte aber auch mit vielen komplexen kulturellen Symbolen auseinander.

Bibliographie

Hohmeyer, Jürgen. "Anselm Kiefer." Künstler. 89 (2010): 1-12.

Reifenscheid, Beate. Anselm Kiefer: Memorabilia. Milano: Silvana Editoriale Spa, 2012.
Katherine Lawson

Friedrensreich Hundertwasser (1928-2000)


Hundertwasserhaus, Wien, gebaut 1983-85

Fotos des Hundertwasserhauses:
http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Hundertwasserhaus_Wien?uselang=de


Friedensreich Hundertwasser wurde am 15. Dezember 1928 als Friedrich Stowasser in Wien geboren. Als er ein Kind war, fanden seine Lehrer, dass seine Zeichnungen einen verschiedenen und seltsamen Stil hatten. Obwohl seine Mutter Jüdin war, hat er sich zum Katholizismus bekehrt. Er hat den zweiten Weltkrieg überlebt, aber viele Familienangehörige wurden in Lagern getötet. Nach dem Krieg hat er in Wien an der Kunstakademie studiert. Nach seinem Studium ist er durch ganz Europa gereist. Sein ganzes Leben ist er gereist, aber Österreich ist immer seine Heimat geblieben. Sein Künstlerleben war sehr voll, und er ist am berühmtesten für seine Spiraloïdformen und seine architektonischen Erschaffungen. Hundertwasser war ein engagierter Umweltschützer und seine Gebäude sind bunte Gärten im Zentrum der Stadt. Er hat überall auf der Welt gebaut, und heute sind die Müllverbrennungsanlange Spittelau, das Kunst Haus Wien und das Hundertwasserhaus in seinem heimatlichen Wien Touristenattraktionen. Er starb am 19. Februar 2000, als er an Bord der Queen Elizabeth II war.

Das Hundertwasserhaus in Wien ist das erste Architekturprojekt von Hundertwasser. 1972 hat er in der deutschen Sendung Wünsch dir das gesagt, dass er einen Traum für die Architektur hatte. Er wollte etwas Neues, wie zum Beispiel ein Fensterrecht. Fünf Jahre später hat der Bürgermeister von Wien, Leopold Gratz, Hundertwasser zum Geburtstag einen Brief geschickt. Dieser Brief erklärte, dass die Stadt Wien an einem Projekt mit ihm interessiert war. Der Bürgermeister wollte gern ein Grundstück für ihn finden. Leider gab es viele Probleme mit der Verwaltung. Endlich hat er das Grundstück an der Ecke Löwengasse und Kegelgasse 36-38 im Bezirk 3 zur Verfügung gestellt. Der erste Architekt, Joseph Krawina, konnte nicht Hundertwassers Intentionen verstehen. Ihre Zusammenarbeit war ein Flop. Die Stadt hat einen neuen Architekten, Peter Pelikan, gefunden. Er und Hundertwasser haben sich gut verstanden und das Hundertwasserhaus war nicht ihre letzte Zusammenarbeit. Hundertwasser wurde von Schrebergärten beeinflusst. Er wollte, dass man bei jeder Wohnung seinen eigenen Garten haben konnte. Er wollte auch, dass jede Wohnung einen individuellen Anblick hat.  Am meisten wollte er ein grünes Gebäude. Leider hatte er nicht genug Geld und konnte nicht Sonnenenergie oder seine Humustoiletten benutzen. Am Anfang wollte er 50 Wohnungen mit verschiedenen Allgemeinräumen. Das Schwimmbad und die Sauna von dem ersten Plan waren zu teuer, deshalb hat er zwei weitere Wohnungen gemacht. Es gibt auch einen Wintergarten, zwei Kinderräume, Terrassen und ein Café.  Hundertwasser wollte ein einzigartiges und ökologisches Haus. Auf dem Dach und den Terrassen gibt es etwa 250 Pflanzen und Bäume. Viele Elemente sind von der Natur beeinflusst. Hundertwasser wollte gekrümmte Mauern und unebene Böden, weil es für ihn keine geraden Linien in der Natur gibt. Er wollte ein lebendes und tanzendes Haus. Die Fenster haben verschiedene Höhen und Größen, um den Effekt einer tanzenden Familie zu vermitteln. Auch die Keramik in Küche und Badezimmer  sind weiß mit Farbklecksen um wiederum zu tanzen. Die Farben an der Fassade begrenzen die Wohnungen, de facto haben alle die Wohnungen ihren einzigartigen speziellen Raum.  Es gibt zwei Zwiebeltürme, die später die Unterschrift geworden sind, die den Ruhm des Gebäudes darstellt. In der Fassade gibt es auch einen intakten Teil des alten Gebäudes, wegen der Idee, dass das alte Gebäude mit dem neuen zusammen alt werden könne.

Quellen

WIELAND, Schmied, Hundertwasser, 1928-2000, Köln, Taschen, c2000, 400 Seite.

Laura Tanguay-Bérubé

Gerhard Richter (1932-)

Erschossener I, 1988

Öl auf Leinwand, 100 cm x 140 cm , The Museum of Modern Art (MoMa), New York

Bild auf Gerhard Richters Webseite: http://www.gerhard-richter.com/art/paintings/photo_paintings/detail.php?paintid=7691

Bild im Kontext des Standortes: http://www.moma.org/collection/browse_results.php?object_id=79037 (Bild Nummer 8 in der Diaserie)


Gerhard Richter ist ein wichtiger Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts, der für seine Beherrschung vieler verschiedenener Stile bekannt ist. Er hat einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung sowohl des Fotorealismus als auch der Abstraktion in der Malerei gemacht. Richter wurde 1932 in Dresden geboren, und er ist jetzt 82 Jahre alt und lebt in Köln. In seiner Jugendzeit hatte Richter eine Vielzahl von Erfahrungen. Zum Beispiel studierte er 1951 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, aber früher war er Assistenzmaler für das Stadttheater in Zittau, während er Stenographie, Buchführung und Russisch an einem nahe gelegenen Kolleg studierte.   Richter begann seine künstlerische Karriere in einer komplizierten Zeit in der deutschen Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er in Dresden (als Teil der DDR) bis 1961, aber er entkam in die BDR, und im Westen studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf.

In den 1980er Jahren gab es ein Wiederaufleben der Malerei. Deshalb wurden Richters Bilder sehr populär und insbesondere eine Gruppe von Bildern erhielt viel Aufmerksamkeit. Erschossener I war eines dieser Werke, und dieses Bild reflektiert, dass er ein Zeuge von politisch turbulenten Zeiten war. Es ist ein Gemälde aus dem Zyklus 18.Oktober 1977, eine Gruppe von Bildern, die aus 15 Gemälden besteht. Andere Titel sind Festnahme, Gegenüberstellung, Zelle, Erhängte und Beerdigung (von Hohmeyer 226). Diese Bilder sind bis heute unglaublich provokant, weil sie eine sehr kontroverse und umstrittene Reihung von Ereignissen zeigen. Das Datum im Titel ist ein Bezug auf das Ende der Roten Armee Fraktion (RAF), einer linksextremistischen Vereinigung, weil an diesem Tag einige Mitglieder der Baader-Meinhof Gruppe in einem Gefängnis in Stuttgart tot aufgefunden wurden. Es wurde gemeldet, dass sie Selbstmord begangen hatten, aber manche dachten, dass sie von der Staatspolizei ermordet wurden. Aber es ist möglich, dass der Titel Erschossener I impliziert, dass es wahrscheinlich ein Mord war. Ein Jahrzehnt später malte Richter diese Bilder auf der Basis von Zeitungsfotos und Polizeifotos von Momenten im Leben und Tod der RAF-Mitglieder. Seine Bilder sind unscharf, dunkler und dramatischer als das Ausgangsmaterial (die Fotografien), und die Leinwände sind auch sehr groß und imposant. Die Größe der Leinwände erhebt typische Tatort-Aufnahmen zur Monumentalität, und der Betrachter muss ein schwieriges Thema im Nahbereich konfrontieren. Das Bild zeigt die voyeuristischen Qualitäten der Polizeifotografie und Medienbilder.

Die unscharfe Qualität des Bildes ist etwas, dass der Künstler häufig in den frühen Jahren seiner Karriere verwendet. In diesem Bild hat der Stil eine geisterhafte Wirkung. Die Unschärfe kann auf die unsichere und unklare Geschichte vom Ende der RAF verweisen. Die anderen Objekte in dem Bild sind sehr ambivalent, und es ist möglich, dass es eine Blutlache unter dem Kopf des Mannes (Andreas Baader) gibt, aber das ist auch unklar, weil das Bild schwarz und weiß ist. Die linke Seite ist sehr dunkel, aber die rechte Seite ist viel heller, und es gibt viele Grautöne zwischen den beiden. Könnte das ein Kommentar über die extremen Gegensätze des politischen Spektrums sein?

Der Titel und seine Haltung zeigen, dass es der Körper eines Toten ist, und die Körperhaltung erinnert an Der Tod des Marat von Jacques-Louis David oder vielleicht an Pietà-Darstellungen. Die Ähnlichkeit mit Marat zeigt Baader als einen revolutionären Mann. Richter könnte sich auch mit der Rolle des Themas Tod oder Darstellungen des Todes in der Kunst befassen.

Bibliographie

Hage, Joe. “Gerhard Richter” Gerhard Richter. Web. <http://www.gerhard-richter.com/>

Von Hohmeyer, Jürgen. “Das Ende der RAF” Der Spiegel 7 (1989): 226-232.

Katherine Lawson


Andreas Gursky (1955 -)


99 cent, 1999

Farbfotografie, 207 cm x 337 cm

Das Bild in hoher Auflösung: http://thesegunsdontquit.files.wordpress.com/2009/11/gursky99cent12.jpg

Das Bild in einer Ausstellung des Museum of Modern Art, New York, 2001: http://www.moma.org/interactives/exhibitions/2001/gursky/


Andreas Gursky wurde am 15. Januar 1955 in Dresden geboren. Sein Vater und sein Großvater waren Fotografen, und er ist auch Fotograf geworden. Obwohl er in der DDR geboren wurde, ist er in Düsseldorf aufgewachsen, weil sein Vater beschlossen hat, in den Westen auszuwandern. Er hatte die Chance, Fotografie an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf zu studieren. Obwohl er klassische Fotografie studiert hat, hat er schnell digitale Fotografie adoptiert. Mit Photoshop und anderen Programmen kann er sein Medium zu neuen Grenzen bringen. Seine Fotos zeigen nicht die Wirklichkeit, sondern seine Meinung über unsere Umwelt. Bei jedem Foto löscht er etwas aus oder fügt er etwas hinzu, deshalb kann man sagen, dass er nicht nur seine Welt fotografiert, sondern er baut seine Welt. Er ist für seine großformatigen Bilder und die Benutzung von Farben und Wiederholung bekannt. Seine Werke sind oft Kritiken seiner Gesellschaft und der alltäglichen Realität. Seine Fotografie Rhein II wurde für 4,3 Millionen Dollar verkauft und wurde damit  das teuerste Foto der Welt. 

99 cent ist eine der größten Fotografien in der Welt. Sie ist 207 cm hoch und 337 cm lang. Die auf sie folgende Fotografie, 99 cent II Diptychon (2001), ist eine der teuersten in der Welt, weil sie im Jahr 2007 für 3,34 Millionen Dollar verkauft wurde. Wir sehen einen Supermarkt. Die Preise in diesem Supermarkt enden immer mit 99. Die Kamera hat von oben fotografiert, deshalb sehen wir das ganze Geschäft, wie es eine Überwachungskamera zeigen würde.  Die Farben sind sehr hell und strahlend. Unser Blick folgt den bunten Produkten. Nur die Menschen sind ein bisschen versteckt in den Reihen, weil sie monochrom sind. Die Fotografie ist mit horizontalen Reihen und vertikalen Säulen gebaut. Die vertikalen und horizontalen Linien machen einen Käfig, der die Kunden einschließt. Auch die Decke, die das Geschäft reflektiert, macht ein Gefängnis. Die Wiederholung der Preise, der Linien und der Farben sieht unendlich aus, und nur Menschen stören diese perfekte Einheitlichkeit. Das Foto stellt die Konsumgesellschaft dar. Es gibt einen Überfluss an Produkten, die mit ihren niedrigen Preisen und ihren Farben für uns attraktiv sind. Leute lieben es, wenn sie billige Lebensmittel kaufen können. Obwohl diese Gesellschaft attraktiv ist, löscht sie auch Menschen aus, die in den Reihen klein und allein aussehen. Ironisch ist es, dass ein Foto, das die Konsumgesellschaft kritisiert, so teuer ist.

Quellen

,,Superbilder der Welt‘‘ online unter http://www.art-magazin.de/div/heftarchiv/2012/7/EGOWTEGWPOWPCPOGSWECOHCS/Superbilder-der-Welt

,,Andreas Gursky: Fiktionen auf der Basis von Fakten‘‘ online unter http://www.goethe.de/ins/gb/lp/prj/mtg/men/kun/and/de2181672.htm

Laura Tanguay-Bérubé


Candida Höfer (1944- )


Chateau de Versailles III, 2007

Fotografie, C-Print, verschiedene Größen

Bild in hoher Auflösung: http://www.blouinartinfo.com/sites/default/files/candida_hofer_chateau_de_versailles_iii_c-print_180x_245cm.jpg

Gallerien, die das Bild im Angebot haben/hatten:
Yvon Lambert, Paris: http://www.yvon-lambert.com/2012/?page_id=98
Gallerie Bellefeuille, Montréal: http://debellefeuille.com/hofer-candida-2/

Candida Höfer wurde 1944 in Eberswalde als Tochter des deutschen Journalisten Werner Höfer geboren. Vor und nach ihrem Studium war sie eine freischaffende Fotografin, und sie studierte an der Kölner Werkschule und dann an der Kunstakademie Düsseldorf. In Düsseldorf war sie eine Schülerin von Bernd Becher, einem bekannten deutschen Fotografen. Bechers Fotografie war äusserst einflussreich - der Einfluss ihres Mentors ist sehr klar in der Ästhetik und der technischen Präzision der Bilder Höfer. Im Jahr 1982 schloss sie dieses Studium ab und später war sie eine Professorin für Fotografie in Karlsruhe. Es gibt eine Gruppe von Becher-Schülern, und viele dieser Fotografen haben seit den 1980er Jahren internationalen Erfolg erzielt, wie Andreas Gursky, Thomas Ruff oder Axel Hütte. Höfer ist ein Mitglied der Düsseldorfer Fotoschule, einer Schule, die Becher gegründet hat.

Diese Werke haben oft eine dokumentarische Qualität mit Fokus auf Stadtansichten oder Innenräumen und die Minimierung der menschlichen Figur. Nach dieser Zeit gab es viele rasante Entwicklungen in der digitalen Fotografie und im Druck, und ein integraler Bestandteil von Fotografien der Gruppe ist eine immense Menge an Details und monumentale Größe - die Arbeiten haben eine verlockende Qualität und verwischen die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei.

Höfer erstellt Typologien, die typisch für die Becher-Schule sind. Sie ist bekannt für ihre Serie von großformatigen Fotografien von menschenleeren Innenräumen - diese sind in der Regel Institutionen wie Bibliotheken und Galerien. Die Titel der Bilder sind oft die spezifischen Institutionen, die sie zeigten - Chateau de Versailles III ist ein Teil einer Serie von Fotografien aus dem Palast. Höfer fotografiert eine Vielzahl von Orten, aber es gibt immer eine formale Ähnlichkeit zwischen ihren Bildern - es gibt immer akribische und extravagante Einzelheiten und in der Regel eine direkte, geradlinige Perspektive. Aber warum gibt es keine Menschen? Höfer sagte, «Mich interessiert zwar, dass es Räume sind, die von Menschen genutzt werden, aber das muss ich nicht dadurch zeigen, dass ich Menschen zeige» (‘Die scheue Fotografin’). Es gibt eine klare Abwesenheit auf den Fotos, aber sie sind vor allem ein Fest dieser Räume. Das Thema der Fotografie ist der Charakter des Raumes, und es ist fast wie ein Porträt von einem Zimmer. Die Photographie untersucht die Möglichkeit eines Bildes, einen dreidimensionalen Raum darzustellen.

In Chateau de Versailles III gibt es auch viele große historische Gemälde und Skulpturen - es gibt einen Schwerpunkt auf dem Kunstwerk im Kunstwerk, weil Höfer sich für die Präsentation von Kulturgütern in Räumen interessiert. Die Fotos können auf den ersten Blick kalt oder klinisch scheinen, aber diese Erkundung von Innenräumen aus der Distanz fördert die Betrachtung der Räume, die große kulturelle Bedeutung enthalten.


Bibliographie

"Die scheue Fotografin: Candida Höfer wird 70." Monopol Magazin. 2 Apr. 2014. Web. 24 Mar. 2014. <http://www.monopol-magazin.de/artikel/20107936/Candida-Hoefer-wird-70-.html>.

Ganteführer-Trier, Anne. "Candida Höfer – Raumsichten" Goethe Institut. http://www.goethe.de/kue/bku/kpa/de10275150.htm


Katherine Lawson

Neo Rauch (1960 - )


Fluchtversuch, 2008

Öl auf Leinwand, 220 x 400 cm, Berlin und Leipzig, Galerie Eigen + Art

Bild in hoher Auflösung: http://www.eigen-art.com/files/nrauch_fluchtversuch_2.jpg

Bild im Kontext des Standorts: http://www.eigen-art.com/index.php?article_id=103&clang=1 (Bild in der Thumb-Nail-Galerie auswählen)





Neo Rauch wurde am 18. April 1960 in Leipzig geboren. Seine Eltern starben bei einem Zugunglück vier Wochen später und er wuchs mit seinen Großeltern auf. Seine Eltern waren Kunststudenten und er beschloss auch Kunst zu studieren. Er hat sein Studium der Malerei mit Professor Arno Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig gemacht. Dann war er Meisterschüler bei Professor Bernhard Heisig, der ein wichtiger Künstler der DDR war. Wie viele Künstler in DDR musste er sozialistischen Realismus studieren,  und es war verboten, die Werke der zeitgenössischen Künstler im Westen zu sehen. Aber er konnte die alten Meister und Strömungen kennenlernen. Deshalb wurde er durch René Magritte und Giorgio de Chirico und Otto Dix beeinflusst. Nach der Wiedervereinigung kam aus den USA ein neues Interesse für Kunst des Ostens und die Leipziger Schule. 1997 gewann Rauch den Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung und sein Erfolg begann. Er ist schnell einer der bekannten zeitgenössischen Künstler geworden, aber er ist auch Opfer seines Erfolgs. Viele Kritiker finden seinen Stil zu konservativ. Für sie macht er moderne Kunst wie Dadaismus oder Surrealismus, aber nichts Neues. Sie kritisieren auch, dass sie keine Seele in seinen Werken sehen. Trotz der harten Kritiken verdient er ohne Probleme viel Geld mit seiner Kunst.
   
Fluchtversuch ist ein typisches Bild von Rauch. Man kann viele surrealistische Elemente sehen. Die Perspektiven des Gemäldes funktionieren nicht. Die Figuren sind zu groß verglichen mit der Karosse. Neo Rauch erschafft immer träumerische Welten und er spielt mit rationalen und irrationalen Elementen. Hier ist der rechte Teil des Bildes realistisch mit dem blauen Himmel und dem Hof, aber der linke Teil ist es nicht. Der Himmel ist rot und löst ein bisschen den Felsen auf. Die Karosse verliert ihre Räder, als ob ein Unfall in diesem Augenblick passiert, aber die Figuren sind schon in Notlage. Die Karosse ist vielleicht in Zeitlupe. Die Figuren stehen an Wasser, aber rechts ist das Wasser ähnlich wie Nebel. Es ist interessant, dass die Figuren alle verschiedene Kleidungsstile tragen. Ihre Kleidungsstücke kommen alle aus verschiedenen Epochen. Es gibt keine Kontinuität oder Logik in den Elementen.  Der Titel ist Fluchtversuch, deshalb kann man sagen, dass sie vielleicht von dem Hof rechts flüchten. Die Frau hat keine Schuhe, und sie hatte eine Karosse, wie Aschenputtel. Meine Idee ist, dass sie mit dem Prinz entkam und ein Unglück hatte. Die Figur mit der Brille, die dem Mann in grün zu stehen hilft, ähnelt Neo Rauch.  Der Maler ist oft in seinen Bildern. Wenn sie Porträts seiner träumerischen Realität sind, ist es vielleicht ganz normal, dass er auch an der Aktion teilnimmt.

Quellen

,,Neo Rauch‘‘ online unter http://www.essl.museum/sammlung/kunstler/person?article_id=1364874376706

,,Begleiter – Neo Rauch zum Fünfzigsten‘‘ online unter  http://www.goethe.de/ins/gb/lp/prj/mtg/men/kun/neo/de6007233.htm

,,Rauch und Rausch‘‘ online unter https://www.freitag.de/autoren/ingo-arend/rauch-und-rausch

"Neo Rauch Begleiter" online unter http://www.art-magazin.de/kunst/28478/neo_rauch_leipzig_muenchen

,, Neo Rauch‘‘ online unter
http://www.eigen-art.com/index.php?article_id=145&clang=0

Laura Tanguay-Bérubé

Xenia Hausner (1951 - )


Das blinde Geschehen, 2010

Öl auf Dibond, 180 x 245 cm

Das Bild in hoher Auflösung:
http://media-cache-ak0.pinimg.com/736x/2e/b6/85/2eb685e20f0da50b791790f71e044e58.jpg

Xenia Hausner ist eine österreichische zeitgenössische Malerin. Sie kommt aus einer Künstlerfamilie, weil ihr Vater Rudolf Hausner Maler ist und ihre Schwester Jessica Hausner Filmregisseurin ist. Sie hat in Wien und London Bühnenbild studiert und hatte großen Erfolg, weil sie für 20 Jahre über 100 Ausstattungen gemacht hat. 1992 beschloß sie, dass sie nur malen wollte. Sie hat ihr Atelier in Berlin und ihre Hobbys sind malen und im Garten arbeiten. Sie ist berühmt für ihre realistischen Großformate, ihre femininen Figuren und für ihre Benutzung von Fotografie und Farben.
 
Das blinde Geschehen

Dieses Bild stellt wirklich den Stil der Werke von Xenia Hausner dar, aber es hat auch untypische Elemente. Die Arbeit als Bühnenbildnerin hat Hausner beeinflusst, denn alle ihre Gemälde zeigen Begegnungen und Geschehnisse, die inszeniert wurden. Mit ihrer Regie kann man nicht verstehen, was die Geschichte ist, warum die sich Figuren treffen oder was gerade passiert. Für Hausner ist das Leben ein Rätsel, und ihre Bilder sind Darstellungen des Lebens, deshalb sind sie auch Rätsel. Letztendlich sind ihre Bilder eine kurze Szene des Lebensfilms. Wie ein Foto sind sie nur ein Augenblick in der Intimität von Fremden. Für sie ist die Kunst in den Augen des Beobachters, weil man interpretiert, was man wirklich will. Der Blick ist immer wichtig für Zuschauer. Das Großformat hat das Ziel, unseren Blick zum Blick der Figuren in Beziehung zu stellen. In Das blinde Geschehen ist es interessant, weil niemand in dem Bild seinen Blick zu uns gerichtet hat. Vielleicht erklärt dies das Adjektive "blind" im Titel. Nur die Frau mit der grünen und rosa Kleidung hat geöffnete Augen, die etwas außerhalb des Autos beobachten und traurig aussehen.  Die orange Frau hat  geschlossene Augen und die gelbe und blaue Frau hat einen unbeteiligten Blick. Die Beziehung zwischen diesen Frauen ist geheimnisvoll. Die gelbe Frau sitzt auf der Motorhaube um zu spionieren, aber sie bleibt passiv. Sie ist, wie wir, nur eine Zuschauerin. Die orange Frau ist die einzige, die sich für die Andere interessiert. Sie ist damit beschäftigt, die gelbe Frau zu küssen.  Leider für sie ist die gelbe Frau uninteressiert und nicht leidenschaftlich. Ist es ein romantisches Treffen oder eine unfreiwillige Beziehung? Vielleicht ist es nur eine Ablenkung für die gelbe Frau, um das Dokument an dem Lenkrad zu stehlen. Die Künstlerin will dafür keine Erklärung geben. Aber auch mit so wenigen Informationen kann man seine Geschichte erfinden.

Quellen

AUSSMAN, Peter, Xenia Hausner Damage, München, Hirmerverlag, 2011.

,,Ich schaue mich zu Tod‘‘ online unter http://derstandard.at/1361241451112/Xenia-Hauser-Ich-schaue-mich-zu-Tode

Laura Tanguay-Bérubé

Manfred Bockelmann (1943- )


Elisabeth Emmler mit ihren Kindern, 2010-2013

Kohlezeichnung auf Leinwand

Das Bild in mittlerer Auflösung: http://www.leopoldmuseum.org/media/image/800/1873.jpg

Das Bild im Kontext des Standortes: http://www.leopoldmuseum.org/de/ausstellungen/51/manfred-bockelmann


Manfred Bockelmann ist ein österreichischer Künstler und wurde im Jahr 1943 (vor dem Ende des Krieges) geboren. Seine großbürgerliche Familie lebte in einem kleinen Dorf und sein Vater war der Bürgermeister von Ottmanach. Von 1962 bis 1966 studierte er in Graz und für viele Jahre war er ein Fotograf. Seine Fotografien sind typischerweise große Landschaften oder Abstraktionen und scheinen ruhig, unpolitisch und schön. Aber jetzt hat er ein ganz anderes Projekt. Später in seinem Leben fragte Bockelmann, was denn mit anderen Kindern in jener Zeit geschehen war, als er zur Welt kam? Sein Vater wurde nach dem Krieg inhaftiert, aber es gab kein dauerhaftes Trauma für die Familie. Bockelmann wollte etwas über das Leben der Kinder und Familien lernen, die durch den Holocaust zerstört wurden. Er begann seine Forschung und suchte nach Fotos von vermissten Kindern und Familien. Er zeichnet Porträts der Personen, die er während seiner Forschung auf Fotografien gefunden hat.

Dieses Familienporträt war ein Teil einer Ausstellung “Zeichnen gegen das Vergessen” im Jahr 2013 im Leopold-Museum in Wien. Diese Ausstellung zeigt großformatige Kohlezeichnungen der Opfer des Holocaust, und die meisten Porträts zeigen Kinder und Jugendliche oder junge Familien. Neben jeder Zeichnung gibt es einen Text, der die Geschichte der Person oder Personen in den Bildern erzählt. Der Text neben diesem Bild, “Elisabeth Emmler mit ihren Kindern” sagte:
   
Vor der Verhaftung wohnte Elisabeth Emmler gemeinsam mit ihrem Mann Alfred und ihren Kindern in Stettin. Am 8. März 1943 wurde die Familie ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Neben den auf dem Foto zu sehenden Kindern wurde auch der jüngste Sohn Paul ins Lager gebracht. Die ganze Familie kam in Auschwitz ums Leben.     (Bockelmann 78).

Diese Beschreibung erzählt das Schicksal der Familie, aber das Trauma des Krieges ist nicht das Thema des Bildes, und es ist kein Bild von Schmerzen, Angst und Zerstörung - dieses Bild zeigt die Familie vor der Tragödie. Bockelmann bietet ein Gesicht zu den vielen Namen, Zahlen und Statistiken des zweiten Weltkrieges, und es ist ein humanistisches Projekt.

Die Zeichnungen scheinen unvollendet, und dies stellt das verlorene Potential der Leben dar, die zu früh genommen wurden. Sie scheinen zerbrechlich, verletzlich. Bockelmann sagte, er zeichnet mit Kohle, weil es ein äußerst widerspenstiges Material ist - ein Stück ist allzu hart und zerbricht dauernd, aber das nächste könnte wunderbar sein. Er glaubte, dass diese Zeichnungen für die Künstler nicht einfach sein sollten. Jedes Porträt ist langwierig und erfordert viel Zeit und Mühe. Das ist, wie er Respekt für diese Leben zeigt.

Bibliographie

Bockelmann, Manfred, and Diethard Leopold. Manfred Bockelmann: Zeichnen gegen das Vergessen = Drawing
    against oblivion. 1. Aufl. ed. Wien: Brandstätter, 2013.

Katherine Lawson